Sascha Lobo, mein Vater und das Leistungsschutzrecht

Sascha Lobo ist wütend und wie ich finde zurecht. Auch ich bin wütend über die Verabschiedung des Leistungsschutzrecht und ich bin wütend enttäuscht, dass die Kritik, der #Aufschrei der „Netzgemeinde“ nicht mehr Gehör gefunden hat.

Seine Kritik bezieht sich größtenteils auf die mangelnde Reichweite der „Netzgemeinde“ und das schmoren im eignen Saft – „Die große Kraft des Netzes, sie endet für uns an der Grenze unserer Blogs„. Dem kann ich nur Zustimmen, denn wenn immer nur die selben Leute schreiben, es die selben Leute lesen und wieder die selben es teilen, so erreicht es auch immer nur die selben – es bleibt innerhalb der „Netzgemeinde“.

Klingt total logisch und dennoch verstehe ich nicht warum das so ist – schließlich ist die Lösung ganz einfach: FACEBOOK! Facebook ist für mich die Schnittstelle zwischen „Netzgemeinde“ und „den Anderen“. Von meinen Facebook-Freunden würde ich 20% als aktive User bezeichnen und gerade mal 5% als Zugehörige der „Netzgemeinde“. Doch die 80% nicht so aktiven User tuen eines: sie lesen! Wer kennt das nicht: man trifft einen alten Freund auf einen Kaffee, dessen Facebook-Mitgliedschaft man aufgrund mangelnder Aktivität nicht wahrgenommen hat und er/sie weiß genau, was man selbst in den letzten Wochen so gemacht hat – aufgrund von Facebook.

Ich denke die von mir genannte Verteilung der Facebook-Freunde ist durchaus typisch und gilt vermutlich auch bei den 5% Facebook-Freunden der „Netzgemeinde“. Diese 5% äußern sich sehr wohl zu netzpolitschen Themen bei Facebook und wenn es nur Cross-Postings ihrer Blogs sind.

Es gibt also sowohl die Schnittstelle, die Multiplikatoren und die Leser „aus der Masse“ – alles da! Warum gelingt es trotzdem nicht die Masse zu erreichen? Ist das Thema nicht sexy genug? Wird es nicht verständlich genug dargestellt? Fehlt es an grundsätzlicher Aufklärung zu Web-Themen und -Techniken? Liegt es an einer grundsätzlichen Politikverdrossenheit?

Leider habe ich keine Antwort auf diese Frage aber ich denke es treffen alle genannten Punkte irgendwie zu. Die „Netzgemeinde“ ist Feuer und Flamme für das Thema Leistungsschutzrecht, weil sie ihr Netz verteidigt (um es mit Googles Worten zu sagen). Der Masse fehlt dieses „mein Netz“, dieses Wir-Gefühl und reagiert entsprechend desinteressiert.

Also scheint mir Aufklärung das richtige Mittel zu sein und damit meine ich jetzt nicht nur Aufklärung zum Thema Leistungsschutzrecht, sonder generell die Aufklärung zum Web und den Techniken. Als Facebook die Partnerseiten vorstellte gab es wieder einen großen „Hilfe meine Daten und was fällt denen ein damit zu machen“ Aufschrei. Dabei handelte es sich einfach nur um dynamischen Inhalt mit zwei Suchbegriffen auf Basis von Informationen, die eh schon da waren und das ganze noch unter Berücksichtigung der eingestellten Sichtbarkeitsregeln. Die meisten „nicht Netzmenschen“ steigen also vermutlich schon beim Begriff „News Aggregator“ aus. Neben den technischen Aspekten sollte man auch noch über die wirtschaftlichen Aspekte aufklären und verdeutlichen, dass sich Deutschland (nicht nur bedingt durch Leistungsschutzrecht) selber ein Bein stellt wenn es um die Förderung von Innovationen und Startups im eigenen Land geht.

Sascha Lobo schrieb auch, dass es der „Netzgemeinde“  viel zu selten gelingt „Leute außerhalb der Netzgemeinde zu erreichen. Niemandes Mutter weiß, was das Leistungsschutzrecht ist, und es wäre unsere Aufgabe gewesen, es zu erklären und die Erklärung zu verbreiten.“ In diesem Fall kann ich nur sagen: Ich habe mit meiner Mutter meinem Vater über das Leistungsschutzrecht diskutiert – das solltet ihr auch tun – also mit euren Eltern, nicht mit meinen.

5 Kommentare

    • Na das ist doch ganz einfach.. Ich lese auch vieles meiner “Freunde”. Das heißt aber nicht, dass ich mich für Fußball, Katzen, Popmusik, Autos oder was auch immer interessiere… Ich bekomme das wohl mit, wenn links auf Seiten oder Texte aus diesen Bereichen gepostet werden, lese die aber nicht und erkundige mich nicht näher. Genauso wird es den 80% und wahrscheinlich sogar den 20% abzüglich der 5% gehen. Daraus folgt.. genau die 5% deiner “Freunde”, die sich eh schon für das Thema interessieren, werden wirklich erreicht. Oder glaubst Du wirklich, dass Hansi Hintenrbuchsner, der seinen Rechner 2 mal am Tag hoch fährt um mal eben bei Facebook zu lesen und Mails zu checken, wird von einem deiner Links oder Artikel inspiriert, abends mit seinen Kumpels übers Leistungsschutzrecht, oder copyrightgedöns diskutieren?

      Nett Idee, aber so funktioniert Social Sharing leider nicht.
      Gnut at http://gnutiez.de

      • Natürlich wird Hansi Hintenrbuchsner das Thema nur „überfliegen“, so wie ich seine Fußballthemen „überfliege“ die mich nicht interessieren – dennoch nehme ich sie wahr. Das Social Sharing so nicht funktioniert ist mir schon klar – ich habe aber auch nicht behauptet, dass Facebook und Shares die fertige Lösung sind. Aufgrund der hohen User-Zahlen (Hansi Hintenrbuchsner ist ja auch da) ist es aber wie erwähnt die richtige/eine gute Schnittstelle. Facebook KANN der Kanal sein um solch ein Thema an Hansi Hintenrbuchsnes Stammtisch zu bringen – WIE genau man es dafür transportieren muss kann ich derzeit – wie im Artikel erwähnt – auch nicht beantworten…

  1. Pingback: Schatz, ich fahr’ mal das Internet runter! | domlen

  2. Ich hab auch ein paar Hansis ;-) Die genau wie domlen beschreibt, vieles mitlesen oder vielleicht auch nur mitbekommen. Es gibt sogar noch einen extremeren Hansi. Die paar die keinen facebook-account haben, aber trotzdem Seiten regelmäßig lesen.
    Und es ist klar, dass man niemandem Themen aufzwingen kann, aber fb ist nunmal zur Zeit der größte social media-Kanal. Wenn z.B. ein für mich im ersten Moment uninteressanter Artikel oft gelikt und geteilt wird, schau ich schon nochmal genauer hin.

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